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Papizeit

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KEYSTONE
Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Ein neues Phänomen macht sich bemerkbar: die Zwangsferien. So zu besichtigen derzeit in England, wo der Boris die Abgeordneten einfach für mehrere Wochen nach Hause geschickt hat, damit er sich in Ruhe überlegen kann, wie das so gehen soll mit dem Brexit. Verständlich! Wenn einem so ein Parlamentssprecher wie dieser John Bercow immer sein «Ordeeeer!» ins Ohr brüllt, kann man ja keinen klaren Gedanken fassen. Und das muss man in dieser Situation schon, denn wo soll zum Beispiel bei einem ungeregelten Brexit die Pfefferminzsosse herkommen, die Briten so gern über ihr Schaffleisch kippen? Wobei mir der allabendliche Brexit-Irrsinn bereits ein bisschen fehlt, muss ich sagen, das war doch immer Unterhaltung auf hohem Niveau. Zum Glück springt dafür jetzt Bumann der Restauranttester mit neuen Gastrokatastrophen ein, und das sogar ganz ohne Pfefferminzsosse.

Doch anstatt dass man mal diese Möchtegernköche in die Zwangsferien schickt, soll das nun mit frischgebackenen Vätern passieren. Das hat der Nationalrat beschlossen. Zwei Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub soll es geben. Um Himmels willen! Was da so jömässig als «Papizeit» verharmlost wird, ist doch für jeden echten Mann die totale Katastrophe! Zwei Wochen lang darf der Papi nicht mehr ins saubere, schallgedämpfte Büro zu seiner herzigen Lehrtochter Fränzi, sondern muss daheim miterleben, wie nicht mehr er an den Busen der Natur darf, sondern der neugeborene Nachwuchs. Der zudem dauernd wegen irgendwelcher Kleinigkeiten herumschreit und Ausscheidungen produziert, die nun wirklich niemand gerne riecht. Nur die SVP hat dankenswerterweise versucht, den Schweizer Mann vor solchen Zumutungen zu bewahren, doch es war vergebens. Übrigens ist die Papizeit ja auch für das Mami eine Belastung. Ist der Mann nämlich zwei Wochen länger daheim, bedeutet das noch viel öfter herumliegende Socken und Chipskrümel in der Sofaritze.

Nur die Bündner Männer werden die Papizeit sinnvoll zu nutzen wissen. Sie werden ihr Schätzli jetzt immer so um Weihnachten ins Bettli locken, denn wenn das Boppi dann im September zu Welt kommt, können sie auf Kosten des Arbeitgebers in aller Ruhe auf die Jagd. Ist doch ganz schön clever, oder?

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