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New Glarus hat bei Chalets mehr zu bieten als Glarus

Die Bauordnung von New Glarus in den USA schreibt Chalet-Elemente vor. Eine Wanderausstellung im Güterschuppen Glarus analysiert diesen Baustil mit Zeichnungen, Modellen und Fotos.

Claudia
Kock Marti
Donnerstag, 19. September 2019, 04:30 Uhr Wanderausstellung
New Glarus als Beispiel: Nicole McIntosh und Jonathan Louie analysieren Schweizer Themenarchitektur in den USA.
SASI SUBRAMANIAM

Die Bauordnung von New Glarus in den USA schreibt Chalet-Elemente vor. Eine Wanderausstellung im Güterschuppen Glarus analysiert diesen Baustil mit Zeichnungen, Modellen und Fotos.

Die Schiffsladung aus den USA ist ausgepackt. Die langen weissen Tische für die Zeichnungen und Modelle sind aufgebaut. Nun können die ersten Eckmodelle aus Holz aufgestellt werden. Den Transport haben die meisten gut überstanden.

Im April ist die Wanderausstellung «Swissness applied» erstmals an der Schule für Architektur in Milwaukee gezeigt worden. Die zweite Präsentation von findet nun in Old Glarus in der Schweiz statt. Die Ausstellungsmacherin Nicole McIntosh und ihr Partner Jonathan Louie haben bis zur Eröffnung am Samstag im Güterschuppen in Glarus indes noch alle Hände voll zu tun.

«Die Ecken der Gebäude sind spannend», sagt die in der Schweiz geborene Architektin McIntosh. Die Fassade vorne scheint mit Sprossenfenstern und Brittli oder dem Balkon samt Blumenkistchen typisch schweizerisch zu sein. Auf der Seite wurde nach typisch amerikanischer Holzbauweise gebaut und auch angebaut.

Vor jedem aufgebauten Eckmodell steht ein kleiner weisser Guckkasten: Wer hindurchschaut, sieht ein Foto des Originalhauses in New Glarus, ein Referenzbeispiel aus dem Baugesetz von New Glarus sowie ein Papiermodell.

«Sie nennen es swissifizieren»

Mit Zeichnungen, Modellen und Fotos untersucht die Ausstellung die Architektur von America’s Little Switzerland, wie sich New Glarus auch nennt. Nachdem drei, vier Original-Chalets gebaut wurden, folgten weitere Gebäude, die diesen Stil auch für kommerzielle Zwecke weiterentwickelten, indem sie ihre Fassaden schweizerisch machten.

Seit 1999 ist dieser Stil auch im Baugesetz für die Innenstadt vorgeschrieben. Mit Illustrationen und Elementen, an die man sich beim Bauen zu halten hat. «Sie nennen das swissifizieren», sagt McIntosh dazu (siehe Interview unten).

Für ihre Ausstellung präsentieren McIntosh und Louie 50 Modelle. 32 davon sind originale Downtown-Gebäude aus New Glarus, die somit im Detail untersucht werden. Es gibt sie in den genannten Eckmodellen aus Holz, aber auch als ganzes Falt-Modell aus Papier sowie auf Zeichnungen.

Weitere 18 Modelle sind eigene Entwürfe. Sie orientieren sich an Faller-Chalet-Modellen, wie man sie für die Modelleisenbahnanlage kennt. Andererseits wenden die Architekten das Baugesetz von New Glarus an. Dies, indem sie Fensterformen, Balkonarten, Ornamente oder das Satteldach beachten, aber auch neu interpretieren.

Eindrückliche Swiss Chalet-Fotos

Neben der Analyse und Interpretation des besonderen Baustils in New Glarus zeigt die Ausstellung einen Teil der grossformatigen, eindrücklichen Fotoserie «Chalets of Switzerland» von Pascal Lambertz. Der in Lachen lebende deutsche Fotograf hat zahlreiche Schweizer Chalets vor dem Vergessen fotografiert, bevor sie abgerissen wurden.

Samstag, 21. September, 18 Uhr, Vernissage, Güterschuppen, Glarus.

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